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	<title>Nachrichten vom Höllenhund</title>
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	<description>Schmidt und wie er die Welt sieht</description>
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		<title>Schwitter</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 13:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Ich habe gelesen ...]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>

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		<description><![CDATA[Monique Schwitter: Wenn&#8217;s schneit beim Krokodil (Geschichten) Oft ist es ja in den Kurzgeschichten so, dass die Kommunikation nicht gelingt. In Monique Schwitters Erzählungen kommt es dazu gar nicht. Die Personen, meist Frauen, stellen sich zwar noch Situationen vor, setzen sich auch in Bewegung, werden aber von den gedachten Möglichkeiten überfordert, analytisch gelähmt. Eine Stufe [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1858&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Monique Schwitter: Wenn&#8217;s schneit beim Krokodil</span><br />
<span style="color:#ff0000;">(Geschichten)</span></h2>
<p style="text-align:left;">Oft ist es ja in den Kurzgeschichten so, dass die Kommunikation nicht gelingt. In Monique Schwitters Erzählungen kommt es dazu gar nicht. Die Personen, meist Frauen, stellen sich zwar noch Situationen vor, setzen sich auch in Bewegung, werden aber von den gedachten Möglichkeiten überfordert, analytisch gelähmt. Eine Stufe weiter auf dem Weg zum Vereinzeln. Schwitter hält oft in der Handlung inne und schaltet in den Kopf der jungen Frau.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Ich kann mir nicht vorstellen, ihn zur Begrüßung zu küssen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, von ihm zur Begrüßung geküßt zu werden. Ich kann mir auch keine an­dere Begrüßung vorstellen. Ein Händedruck wäre schön. Aber undenkbar. Wahrscheinlich wird es dann doch so was wie ein Kuß werden, so ein Kuß, den ich mir jetzt gar nicht vorstellen kann. Aber wir werden uns küssen, weil wir denken, das sei passend. Passender als ein Händedruck. Wir werden uns küssen, um so zu tun, als kennten wir uns. Um keine Unklarheit aufkommen zu lassen über den Grund unserer Verabredung, über den Zweck unserer Ver­abredung. Wir werden uns küssen, um die Kluft zwischen uns zu vertuschen. Ein Händedruck schließt einen Blick ein, beim Küssen braucht man sich nicht anzuschauen. Ein Händedruck wäre uns wahrscheinlich peinlich. Hier bin ich, da bist du, das ist ein Händedruck. Hier bin ich, um nicht lang zu fackeln, nimm dies, das ist ein Kuß.</em> (Ein Anflug)</p>
<p style="text-align:left;">Sie wartet in der Ankunftshalle, nervös und sehnsüchtig, sie ist zu früh dran, natürlich, sie setzt sich zu einem Fremden an den Tisch, all ihre Lebenskraft wird aufgesogen von dieser Situation. Als der Erwartete schließlich kommt, verschwindet sie. Ähnlich in der Geschichte “Wenn’s schneit beim Krokodil”:</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Ich mag Tierparks nicht. Ich mag keine zoologischen Gär­ten.</em><br />
Da ist ein Brief für dich gekommen<em>, sagte meine Mutter am Telefon.</em><br />
Mach ihn auf<em>, sagte ich. Meine Mutter zögerte. </em>Ich weiß ja nicht, was drinsteht, und von wem<em>.<br />
</em>Eben<em>, antwortete ich gereizt, d</em>eshalb sollst du ihn ja öffnen.<br />
Also ich weiß nicht<em>, sagte meine Mutter, und ich hörte es rascheln. Schweigen.</em><br />
Und<em>, fragte ich barsch. Schweigen.</em><br />
Hallo<em>, rief ich, </em>hörst du mich? H ö r s t  d u  m i c h<em>?</em><br />
<em>Ich bin sicher dort. Zoo, 1. Januar, neun Uhr. Wenn&#8217;s schneit beim Krokodil, sonst beim Kamel.</em><br />
Und weiter<em>, fragte ich.</em><br />
Nichts weiter<em>, sagte meine Mutter. </em>Kommst du an Weih­nachten<em>?</em></p>
<p style="padding-left:30px;"><em>Seit elf Tagen mache ich Weihnachtsurlaub in meiner Hei­matstadt.</em><br />
<em>Vor elf Tagen, zu Winterbeginn, am 21. Dezember, dem dunkelsten Tag des Jahres, stand ich neben dem Eingang zum Zoo und erkundigte mich an der Kasse nach dem Eintrittspreis.</em><br />
Erwachsene, Tageskarte<em>, </em>22 Franken<em>, sagte die Kassenfrau.</em><br />
Gibt es ein Krokodil<em>, fragte ich. Sie schob mir ein Faltblatt entgegen. </em>Hier<em>, sagte sie.</em><br />
Und ein Kamel, gibt es das auch<em>, fragte ich, während ich nach dem Faltblatt griff.</em><br />
Wollen Sie rein oder nicht<em>, fragte die Kassenfrau.<br />
</em>Ich glaube nicht<em>, sagte ich.</em><br />
<em>Den großen Stein neben dem Eingang gibt es nicht mehr. Ich setzte mich auf die Stufen vor der Kasse und schlug das Faltblatt auf. Die Stufen waren kalt.</em></p>
<p style="text-align:left;">Jeden Tag geht sie zum Zoo, hypernervös, und dann, kurz vor Schluss: “<em>Es war mir plötzlich egal, wer mir den Brief geschickt hatte. Ich hatte keine Lust mehr, mühsam eine Fährte aufzuspüren, um eine Spur zu verfolgen, die in meine Vergangenheit führt. Mir reichte mein Erinnerungspaket vollständig</em>.” Auch die Mutter hat aufgegeben: &#8222;Ich mag nicht mehr, <em>sagte meine Mutter</em>. <em>Ich weiß nicht, ob sie den Sekt meinte, oder alles andere. Bald darauf hat sie sich schlafen gelegt</em>.</p>
<p style="text-align:left;">Ich weiß nicht, ob das Typisch für die Zeit ist, ob Monique Schwitter geneigte Leserinnen findet. Man könnte denken, dass auch das nicht mehr wichtig ist. Das Leben ist Suche, vor dem Finden hat man Angst. Man schreckt davor zurück, verkleidet sich, um nicht womöglich dorch erkannt zu werden. “Vom Scheitern des Nichtstuns“ überschreibt der STERN ein Interview mit Monique Schwitter.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Alles nie so wie gedacht, alles immer anders und irgendwie und verunsichert und mal schauen, was das wird. Und doch nie neu. Doch nie jetzt geht&#8217;s los, doch immer abwarten, kommen lassen, reagieren. Versuchen, richtig zu reagieren. Versuchen, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn das Angebot sich längst schon wieder verändert hat und der Favorit nicht mehr zur Wahl steht. Sich wieder eine Entscheidung abringen müssen, weil die beherzte Entscheidung nicht mehr möglich ist. Eingeschränkte Wahl, Vorteile, Nachteile, immer auch Nachteile, vor allem Nachteile. Abwägen. Also nicht die Frage: Was will ich. Immer nur die Frage: Was ist am wenigsten schlimm. Immer nur die Frage: Womit kann ich leben. Kann ich damit leben. Und das ist genau die Frage, die mal einer beantworten soll. Kann ich damit leben. Womit kann ich leben. Das soll mal einer beantworten. Mehr als ein irgendwie kommt da nicht raus. Irgendwie damit leben. Und das soll dann eine Entscheidung sein. Ha</em>.</p>
<p style="text-align:left;">Spieltheorie. Lakonisches Hyperventilieren. Die Hauptperson der schönsten Geschichte ist ein Mann: „Wendel wartet“. Das sagt alles.</p>
<p style="text-align:left;"> <span style="color:#000000;">2005         177 Seiten</span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1858/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1858&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Widmer</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 09:02:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Ich habe gelesen ...]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Urs Widmer: Vor uns die Sintflut (Geschichten)<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1844&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Urs Widmer: Vor uns die Sintflut<br />
(Geschichten)</span></h2>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1844/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1844&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Die Hermannsschlacht</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 18:22:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Armin Petras: Die Hermannschlacht nach Heinrich von Kleist Die Schlacht findet nicht statt. Die würde auch gar nicht in ein Drama passen. Für Kleist ist es nur wichtig, dass sie letztendlich gewonnen wurde, um seinen Hermann zu heroisieren. Das Thema ist die Suche nach Verbündeten gegen die dekadenten, aber überlegenen Römer. Wobei 1808 die Römer [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1832&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Armin Petras: Die Hermannschlacht</span><br />
<span style="color:#ff0000;">nach Heinrich von Kleist</span></h2>
<p>Die Schlacht findet nicht statt. Die würde auch gar nicht in ein Drama passen. Für Kleist ist es nur wichtig, dass sie letztendlich gewonnen wurde, um seinen Hermann zu heroisieren. Das Thema ist die Suche nach Verbündeten gegen die dekadenten, aber überlegenen Römer. Wobei 1808 die Römer eigentlich die fortschrittlichen Franzosen waren, aber welsch bleibt welsch. Arminius gelingt es mit allerlei hehren Worten und effektiven Geschichtslügen nach manchen Irrläufen die Führer der anderen 15 germanischen Stämme zum Mitmachen zu bewegen, was ihn schließlich zum Hermann, zum Mythos des teutschen Volksvereinigung und zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arminius" target="_blank">Denkmal </a>im Teutoburger Wald werden ließ.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-1833" title="" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2012/01/hermann1.jpg?w=420" alt=""   />Da das Drama auch eine Frau braucht, spielt auch Thusnelda mit, Hermanns Weib, aber auch dem Römer Ventidius zugeneigt, was Hermann wenig stört, da man so die Frau den Römern als blondes Reizobjekt vorlegen kann. Hermann, der Taktiker.</p>
<p>Als solches muss man die „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermannsschlacht" target="_blank">Hermannschlacht</a>“ heute nicht mehr spielen, sie ist auch erst über 40 Jahre nach der Entstehung uraufgeführt und dann von den Nazis in ihre Ideologie eingefügt worden. Kleists Stück ist auch nicht gut, da, wie oft bei ihm, ziemlich umständlich konstruiert.</p>
<p>Armin Petras geht an den Kammerspielen den Weg zurück. Er dekonstruiert das Geschehen, fügt auch Teile von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Hermannsschlacht_(Grabbe)" target="_blank">Christian Grabbes „Hermannschlacht“</a> ein, wodurch das Stück aber wenig gewinnt.</p>
<p>Immerhin wird Hermann entzaubert. Er sitzt oft am Bühnenrand, ihm fällt nichts ein, er lässt sich von den Römern ungermanische Schuhe anziehen, schwingt hin und wieder, wenn er dazu getragen wird, kriegerische Reden, lässt sich von seiner Tussi Hörner aufsetzen, spinnt Intrigen. Die gräulichste: Er ordnet an, die getötete Cheruskerin Hally in 15 Teile zu zerstückeln, um die germanischen Stämme in den Krieg gegen die Römer zu treiben. So etwas tut man heute auch noch. &#8211; Das Schwert bedient Hermann als Luftgitarre (bizarr!), ansonsten ist er dick. Das Denkmal müsste neu gegossen werden. Mit Bauch und Zottelhemd. Am Ende stecken ihm seine Mitgermanen die Gere hinten in die Hose. Sinnbild.</p>
<p>Das Geschehen zieht sich, wo es hätte 10 sein sollen, war es erst Viertel nach Neun. Dem Stück ist keine spannung eigen. Zu viele eigentlich nebensächliche Auftritte hat die große Thusnelda. Es gibt wenige der üblichen Kammerspiel-Gags. Kurz lustig das Aufeinandertreffen der gestöckelten Thusnelda mit ihrem kleinen Fettmann, da und dort ein eingestreutes Gegenwartswort in den hohen Kleistschen Text: Super!</p>
<p>NB: Wolf Banitzki meint, wie andere auch, „die Sprachgestaltung der Kleistschen Dramatik ist ein Höhepunkt in der deutschen Literaturgeschichte&#8220;. (www.theaterkritiken.com). Man lese selbst:</p>
<p style="padding-left:30px;">Hermann.<br />
Behüte Wodan mich! Ergeben! Seid ihr toll?<br />
Mein Alles, Haus und Hof, die gänzliche<br />
Gesamtheit des, was mein sonst war,<br />
Als ein verlornes Gut in meiner Hand noch ist,<br />
Das, Freunde, setz ich dran, im Tod nur,<br />
Wie König Porus, glorreich es zu lassen!<br />
Ergeben! – Einen Krieg, bei Mana! will ich<br />
Entflammen, der in Deutschland rasselnd,<br />
Gleich einem dürren Walde, um sich greifen,<br />
Und auf zum Himmel lodernd schlagen soll!</p>
<p>Das war schon 1808 bestenfalls antikisierend. Später wurde aus solchem Satzgespinst manch Weihespiel. Sprachtand!</p>
<p>Was gelungen ist, ist der Teutoburger Wald als Spielplatz, aus Schaumstoffquadern aufgetürmt von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=u83_oRKz90M" target="_blank">Katrin Brack</a>. Daraus lassen sich Halden bauen und Hindernisse und Trutzburgen und Bärengehege. Die Römer haben da keine Chance, kämen da nicht durch, sie treten aber nicht auf. Das heißt sie spielen schon mit, aber als Streichquartett. Live auf der Bühne das <a href="http://www.modernstringquartet.com/" target="_blank">Modern String Quartett</a> mit römischen Bürstenhelmen und später sogar im Feinripp durch den Bühnennebel streichend.</p>
<p>Was allmählich nervt: die quälend gesuchten Aktualisierungen. Der Abend „irrlichtert zwischen Ernst Jünger [...] und der aktuellen Integrationsdebatte: Römer raus! Wer will, kann <span style="color:#000000;"><span style="color:#000000;">Stuttgart</span></span> 21 erspähen oder Hartz IV.“ (Jan Küveler, Die Welt, wähnt sich in „Assoziationsgewittern“). Schmarrn! Die „Hermannsschlacht“ ist nicht aktuell. Punkt.</p>
<p style="text-align:center;">Münchner Kammerspiele     Aufführung am 13. Januar 2012</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1832/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1832&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Fenster 16</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 17:59:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Glückskatze taucht nicht mehr auf. Schnee will keiner fallen, das Wasser nicht steigen. Deshalb ein Fensterbild vom letzten Jahr. Ohne Moos nix loos.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1821&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1822" title="" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2012/01/150111e.jpg?w=420&#038;h=279" alt="" width="420" height="279" /></p>
<p style="text-align:center;">Die Glückskatze taucht nicht mehr auf. Schnee will keiner fallen, das Wasser nicht steigen. Deshalb ein Fensterbild vom letzten Jahr. Ohne Moos nix loos.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1821/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1821&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Haratischwili</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 17:48:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Ich habe gelesen ...]]></category>
		<category><![CDATA[Frau]]></category>

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		<description><![CDATA[Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling Stella, 36, sollte zufrieden sein. Sie hat einen fürsorglichen Mann und einen reizenden siebenjährigen Sohn, sie haben es sich eingerichtet. Da taucht Ivo wieder auf und mit ihm die Vergangenheit. Das Thema von Nino Haratischwilis Roman: Die Vergangenheit, die sich nicht wegschieben, nicht in die momentan gehaltene Ordnung einfügen lässt. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1815&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling</span></h2>
<p style="text-align:left;">Stella, 36, sollte zufrieden sein. Sie hat einen fürsorglichen Mann und einen reizenden siebenjährigen Sohn, sie haben es sich eingerichtet. Da taucht Ivo wieder auf und mit ihm die Vergangenheit. Das Thema von Nino Haratischwilis Roman: Die Vergangenheit, die sich nicht wegschieben, nicht in die momentan gehaltene Ordnung einfügen lässt. Mit Ivo taucht die Jugend wieder auf, deren Unsicherheiten, die Reize, die Gefahren, das Leben.</p>
<p style="text-align:left;">Stella hat eine komplexe Familienbiografie. Der Vater hat die Mutter verlassen, die Mutter auch den Vater und die Kinder; der Vater säuft und schlittert in ein Verhältnis mit Emma, rätselhaft für Stella, denn Emma ist Ivos Mutter, sie wird erschossen, Ivo findet Unterschlupf in Stellas Restfamilie, die vor allem aus Vaters verständinsvoller und exotischer Tante Tulja besteht. Stella wird Ivos Adoptivschwester, Ivos Gefährtin durch die Zeit der Pubertät. Ivo, der “sanfte Zwilling”, beschirmt Stella vor den Wirbeln der Familie, Ivo wird Stellas Geliebter. Und Ivo verschwindet.</p>
<p style="text-align:left;">Ivo ist zärtlich und verletzend, wie’s gerade kommt, Stella verdrängt ihn, aber sie kommt nicht los von ihm. Als Ivo nach Jahren wieder auftaucht, gerät Stellas kaschierte Unordnung in Wallung, die Gefühle sind allemal stärker und fordernder als die scheinbare Geborgenheit der Familie mit Mann und Sohn. Stella folgt Ivo auf eine Recherchereise nach Georgien, sie muss bei ihm sein, obwohl ihre Liebe traumatisch quälend bleibt. In Georgien stoßen sie auf die Auswirkungen des Krieges, Stella stößt auf vom Krieg und von Normen und von der Anziehung verwirrte Liebesverhältnissen, die den ihren stark ähneln. Sie kann sich zuhause fühlen, auch wenn es für sei keine sichere Heimat mehr geben kann.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>In der Nacht hielt ich ihn fest und küsste seinen Körper. In der Nacht wollte ich nicht von der blassen Frau im Braut­kleid träumen, in der Nacht wollte ich nicht einmal vom Meer träumen. Zum ersten Mal schlief ich mit Ivo, ohne dass etwas in meinen Körper schnitt, ohne dass es mir weh­tat, ohne dass ich mir Schmerz zufügte. Ich liebte ihn sanft, behutsam, fast kindlich.</em><br />
<em>So wäre unsere Liebe gewesen, hätten unsere Körper damals schon sprechen können, im Garten, in dem Haus in Hafen­nähe, so wären wir als Kinder gewesen, aneinandergepresst, uns ertastend, erforschend, niemals bereit, einander wehzu­tun. So wäre unsere Nähe gewesen in seinem kleinen Zim­mer, an der linken Seite des Flurs, an dessen Ende sich un­sere Eltern auszogen, aneinander saugten und wie Tiere ihre Wunden leckten. Nichts stand zwischen uns, und nicht einmal der Gedanke an Theo hinderte mich diesmal daran, gänzlich bei Ivo zu sein, wach und klar, als hätte sich in dem Moment die Möglichkeit aufgetan, beide in meinem Leben zusammenzubringen, denn ich glaubte an diese Möglichkeit, ich wollte daran glauben und klammerte mich an sie.</em><br />
<em>Im Morgengrauen hörte ich ihn herumgehen, doch war ich noch zu müde, um richtig wach zu werden, als wolle mein Körper sein Gehen nicht bewusst erleben. Er beugte sich zu mir herunter, küsste mich sanft auf die Lippen und ging aus der Tür. </em></p>
<p style="text-align:left;">Stella leidet darunter, eine schlechte Frau und Mutter zu sein, sie leidet an den nicht verarbeitbaren Geheimnissen ihrer Jugend, sie ist getrieben, hofft auf die Erlösung durch Ivo, die Überwindung der Traumata und dem Wiederfinden eines Zustands von Ruhe, wo sie sorglos und umfangen ins Meer blicken kann. Nino Haratischwili, Jahrgang 1983, schreibt sich in die aufgewühlten Gedanken von Stella hinein, stellt ihre Obsessionen, ihre Gefühlssprünge, ihre Abgründe, ihre Hörigkeit offen zur Schau. Stella verschweigt sich und dem Leser nichts. Das ist intensiv, auch ausführlich, auch repititiv, nüchterne Leser z.T. überfordernd. Aber man glaubt Haratischwili, weil sie äußerst anschaulich macht, wie der Mensch deformiert werden kann, vielleicht auch, wie Deformationen erst den Menschen ausmachen. Man ist bei der jetzigen Stella und erfährt in verwobenen Rückblicken in verschiedene Zeiten, weshalb Stella so ist, wie sie sein muss.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>- Ich wollte, dass du mich liebst, ich wollte nicht sterben, wie blöd bist du eigentlich? Schuld? Schuld, mein Gott! Ich bin die Schuldige, das weißt du, ich bin es, und mein Leben lang warte ich darauf, dass du es offen aussprichst, dass du mich verurteilst, von mir aus strafst, ein für alle Male, endgültig, damit dieses Hin und Her endet!</em><br />
<em>Mein Herz pochte und schlug wie wild. Ich stand auf, eingehüllt in das Bettlaken, und ging ans Fenster, um frische Luft zu atmen. Ich hatte das Gefühl, zu ersticken. Die Umrisse des Zimmers, der Stadt, die sich unter mir ausbreitete, verschwammen vor meinen Augen, und ich musste mich an der Fensterbank festhalten, um nicht umzukippen. Er näherte sich mir, ich hörte seine nackten Füße auf dem Fußboden. Ich starrte hinaus, ich würde seine Berührung nicht überstehen. Ich klammerte mich an das Holz der Fensterbank, meine Hand verkrampfte sich, so fest hielt ich mich.</em><br />
<em>- Es war keine Strafe!</em><br />
<em>Er drückte mit seinem Daumen auf meine Wirbelsäule, die Fingerkuppe war feucht und kalt. Ich zuckte zusammen.</em></p>
<p style="text-align:left;">Burkhard Müller (SZ) liest „ein großes und fremdes Buch; ein Buch, mit der Wucht einer klassischen Tragödie, das nicht jeder Leser bis zum Ende aushalten wird“. Im SPIEGEL findet Sebastian Hammelehle „erstmal gar nichts Sanftes“.</p>
<p style="text-align:left;">2011       380 Seiten</p>
<p style="text-align:left;">„Der sanfte Zwilling“ erhielt 2011 den Hauptpreis der <a href="http://www.vereinderhotlist.de/" target="_blank">Hotlist 2011 der besten Titel des Jahres aus Independent-Verlagen</a>.</p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=DVQ6STIBixM" target="_blank">Preisverleihung 2011 </a>(alternativ – verwackelt)</p>
<p style="text-align:center;"> <a href="http://www.stern.de/videokatalog/Gesellschaft/Prominente/video-Lesung-der-Woche-Nino-Haratischwili-Mein-sanfter-Zwilling-Unterhaltung-121164.html" target="_blank">Nino Haratischwili liest </a>schnell und sachlich aus ihrem Buch.</p>
<p style="text-align:center;"> Ausführliches Gespräch mit Nino Haratischwili bei <a href="http://faustkultur.de/kategorie/literatur/gespraech-nino-haratischwili.html" target="_blank">faustkultur.de</a></p>
<p style="text-align:left;"> </p>
<table width="70%" border="0" cellspacing="0">
<tbody>
<tr>
<td width="16%"> </p>
<p><div id="attachment_315" class="wp-caption alignright" style="width: 26px"><img class="size-full wp-image-315" title="" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2009/12/wms.gif?w=420" alt=""   /><p class="wp-caption-text">2-4</p></div></td>
<td width="16%"> </td>
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<td width="17%"> </td>
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</tr>
</tbody>
</table>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1815/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1815&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Schalansky</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 11:45:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Ich habe gelesen ...]]></category>

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		<description><![CDATA[Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe  Immer, wenn man glaubte, dass sich nichts mehr ändern, dass alles einfach so weitergehen würde, kam die nächste Jahreszeit. Von drei Schultagen “nach all den Jahren” der Biologielehrerin Inge Lohmark erzählt Judith Schalansky, immer aus dem Denken der Hauptperson. Und sie schont ihre Protagonistin nicht. Inge Lohmark hat sich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1810&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;padding-left:30px;"><span style="color:#ff0000;">Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe</span></h2>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Immer, wenn man glaubte, dass sich nichts mehr ändern, dass alles einfach so weitergehen würde, kam die nächste Jahreszeit.</em></p>
<p style="text-align:left;">Von drei Schultagen “<em>nach all den Jahren</em>” der Biologielehrerin Inge Lohmark erzählt Judith Schalansky, immer aus dem Denken der Hauptperson. Und sie schont ihre Protagonistin nicht. Inge Lohmark hat sich ihr Leben, ihre Familie und ihren Beruf hart erarbeitet, ein Scheitern kann sie nicht leisten. Was bleibt, als zu verhärten, sich abzugrenzen, Neues für gefährlich zu erklären. Und zum Unbekannten gehören auch die Schüler. Deshalb müssen sie, wie die Tierwelt, kategorisiert und damit auf Abstand gehalten werden. &#8222;<em>Zum professionellen Verständnis gehörten keine Nähe, kein Verständnis</em>.&#8220;<br />
Sympathisch ist Inge Lohmark nicht, charmant genausowenig, spröde ist das Wort, und das muss beim Schreiben und beim Lesen erst einmal 200 Seiten durchgehalten werden.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Inge Lohmark sah über die drei Bankreihen und bewegte den Kopf dabei nicht einen einzigen Zentimeter. Das hatte sie perfektioniert in all den Jahren: den allmächtigen, unbeweg­ten Blick. Laut Statistik waren immer mindestens zwei dabei, die sich wirklich für das Fach interessierten. Aber wie es aus­sah, war die Statistik in Gefahr. Gauß&#8217;sche Normalverteilung hin oder her. Wie hatten sie es nur bis hierher geschafft?</em><br />
<em>Man sah ihnen die sechs Wochen Gammelei an. Die Bücher hatte keiner von denen aufgeschlagen. Große Ferien. Nicht mehr ganz so groß wie früher. Aber immer noch zu lang! Es würde mindestens einen Monat dauern, bis man sie wieder an den Biorhythmus der Schule gewöhnt hatte. Wenigstens musste sie sich nicht ihre Geschichten anhören. Die konnten sie der Schwanneke erzählen, die mit jeder neuen Klasse ein Kennenlernspiel veranstaltete. Nach einer halben Stunde wa­ren alle Beteiligten in den Fäden eines roten Wollknäuels ver­heddert und konnten die Namen und Hobbies ihrer Sitznach­barn aufsagen.</em><br />
<em>Es waren nur vereinzelt ein paar Plätze besetzt. So fiel erst recht auf, wie wenige es waren. Spärliches Publikum in ihrem Naturtheater: zwölf Schüler &#8211; fünf Jungen, sieben Mädchen. Der dreizehnte war wieder zurück auf die Realschule gegan­gen, obwohl die Schwanneke sich mächtig für ihn ins Zeug gelegt hatte. Mit wiederholten Nachhilfestunden, Hausbesu­chen und psychologischem Gutachten. Irgendeine Konzen­trationsstörung. Was es nicht alles gab! Lauter angelesene Entwicklungsstörungen. Nach der Leserechtschreibschwäche die Rechenschwäche. Was würde als Nächstes kommen? Eine Biologie-Allergie? Früher gab es nur Unsportliche und Un­musikalische. Und die mussten trotzdem loslaufen und mit­singen. Alles nur eine Frage des Willens.</em></p>
<p style="text-align:left;">Die Sätze, in denen Judith Schalansky ihre Inge Lohmark denken lässt, sind oft noch kürzer als die zitierten. Längere Sätze bräuchten ja eine Kausalität, Begründungen, auch Selbstzweifel. Für Inge Lohmark ist alles Biologie. Die Kapitel ihres “Bildungsromans” heißen “Naturhaushalte”, “Vererbungsvorgänge”, “Entwicklungslehre”, unterteilt sind sie anhand des ganzen biologischen Glossars. Judith Schalansky, Jahrgang 1980, hat viel und gut recherchiert, sie integriert die ganze Biologie vom Efeu bis zur Evolution – so wie sie Inge Lohmark denkt natürlich -, sie informiert auch über die “sozialistische” Inanspruchnahme der Biologie, denn die Geschichte spielt in einem Gymnasium in Nordpommern, dem “Charles-Darwin”, und ihre Klasse ist eine der letzten. Es gibt nur noch eine “11”. Das Land entvölkert sich, die Spezies “Ossi” ist abgewandert, für die Spezies Mensch sieht sie keine Zukunft. Man muss sich manchmal ermahnen, Inge Lohmark nicht zuzustimmen. Aber selbst ist man ja kein Auslaufmodell.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Nein, diese Kinder hier kamen ihr wirklich nicht vor wie Diamanten auf der Krone der Evolution. Entwicklung war etwas anderes als Wachstum. Dass qualitative und quanti­tative Veränderung weitestgehend unabhängig voneinander geschah, wurde hier erschreckend eindrücklich demonstriert. Die Natur war nicht gerade schön anzuschauen auf dieser un­entschiedenen Schwelle zwischen Kindheit und Adoleszenz. Eine Phase der Entwicklung. Landwirbeltiere im Wachstum. Die Schule ein Gehege. Jetzt kam die schlimme Zeit, das Lüf­ten der Klassenzimmer gegen den Geruch dieser Altersstufe, Moschus und freigesetzte Pheromone, die Enge, die sich lang­sam ausformenden Körper, schwitzige Kniekehlen, talgige Haut, matte Augen, das unaufhaltsame Wachsen und Wu­chern. Es war sehr viel einfacher, ihnen etwas beizubringen, bevor sie geschlechtsreif waren. Und eine echte Herausforde­rung, zu ergründen, was sich hinter ihren stumpfen Fassaden abspielte: ob sie uneinholbar voraus waren oder ob sie wegen gravierender Umbauten weit hinterherhinkten.</em><br />
<em>Es fehlte ihnen an jeglichem Bewusstsein für ihren Zu­stand und erst recht an der Disziplin, ihn zu überwinden. Sie starrten vor sich hin. Apathisch, überfordert, ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Widerspruchslos gaben sie ihrer Trägheit nach. Die Kraft der Erdanziehung schien dreifach auf sie zu wirken. Alles war allergrößte Anstrengung. Jeden Funken Energie, der diesen Körpern zur Verfügung stand, verbrauchte die qualvolle Metamorphose, die der aufwändi­gen Entpuppung einer Raupe in nichts nachstand. Allerdings wurde nur in seltenen Fällen ein Schmetterling draus.</em></p>
<p style="text-align:left;">2011         222 Seiten</p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/der_hals_der_giraffe-judith_schalansky_42177.html" target="_blank">Leseprobe und links zu Videos und Audios beim Suhrkamp-Verlag</a></p>
<p style="text-align:left;"> </p>
<table width="70%" border="0" cellspacing="0">
<tbody>
<tr>
<td width="16%"> </p>
<p><div id="attachment_315" class="wp-caption alignright" style="width: 26px"><img class="size-full wp-image-315" title="" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2009/12/wms.gif?w=420" alt=""   /><p class="wp-caption-text">2</p></div></td>
<td width="16%"> </td>
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<td width="17%"> </td>
<td width="17%"> </td>
<td width="17%"> </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/vomhoellenhund.wordpress.com/1810/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1810&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Zeh</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 10:38:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Ich habe gelesen ...]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeist]]></category>

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		<description><![CDATA[Juli Zeh: Corpus Delicti Es ist alles da, was die Sozialdystopie braucht. Der Totalstaat, die staatstragende Ideologie, die gleichlallende Volksgemeinschaft, hier i.G.v. drei blondhirnigen Miezhaustussen. Die Arkannischen Wald und Wiese. Der Gute, schon tot, im Prozess rehabilitiert, ein Scheinsieg. Der Märtyrer, hier: die Märtyrerin, das Corpus Delicti. Der Konflikt entzündet sich an der Zigarette. Mia [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1796&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Juli Zeh: Corpus Delicti</span></h2>
<p style="text-align:left;">Es ist alles da, was die Sozialdystopie braucht. Der Totalstaat, die staatstragende Ideologie, die gleichlallende Volksgemeinschaft, hier i.G.v. drei blondhirnigen Miezhaustussen. Die Arkannischen Wald und Wiese. Der Gute, schon tot, im Prozess rehabilitiert, ein Scheinsieg. Der Märtyrer, hier: die Märtyrerin, das Corpus Delicti. Der Konflikt entzündet sich an der Zigarette.</p>
<p style="text-align:left;">Mia Holl ist die Rationalistin, die naturwissenschaftlich denkt. Wenn es denn rational ist, den unbotmäßigen Bruder im Herzen, die Kilometer naschzustrampeln, welche die METHODE als Gesundheitsleistung von den Untertanen einfordert. Rational heißt auch opportunistisch, Ärger vermeidend, dem man nicht ausweichen kann. Mia will ihre Ruhe, zunächst nicht mehr. Dann haut sie ihr Manifest raus! &#8211; Bruder Moritz Moll, durch Selbstmord der METHODE entzogen, ist der Radikale. Das Ideal. Geht er doch in den Wald, in dem die Keime lauern. Dessen Betreten deshalb verboten ist. Mia ist das liebende kleine Schwesterchen. Was sie will, will sie für Moritz, für sich will sie nichts. Antigone. &#8211; Nebenfiguren: Rosentreter, der Anwalt, biederer Restidealist. Kramer, Medienmann, vernünftig wie das System, zynisch freundliches Arschloch. &#8211; Fürs Emotionale ist “die ideale Geliebte” zuständig, eine virtuelle Avatarin, vom Sofa zunächst so wenig zu verbannen wie aus dem Sinn. Die ideale Geliebte ist in ihrer Gefühlswelt rationaler als die unentschiedene Mia. Bis sich Mia nach dem Prozess alleine stark wähnt und die ideale Geliebte liegenlässt und vergisst.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"><em>Darauf erwidert Mia nichts. Sie steigt vom Home­trainer und stellt sich ans Fenster. Ein Vogel ist im Blumenkasten gelandet, pickt enttäuscht an den künst­lichen Blüten und sieht Mia vorwurfsvoll an, bevor er davonfliegt.</em><br />
<em>»Wer keine Seite wählt«, sagt die ideale Geliebte, »ist ein Außenseiter. Und Außenseiter leben gefährlich. Von Zeit zu Zeit braucht die Macht ein Exempel, um ihre Stärke unter Beweis zu stellen. Besonders, wenn im Inneren der Glaube wackelt. Außenseiter eignen sich, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Sie sind Fallobst.«</em><br />
<em>»Ich bin doch keine Außenseiterin«, sagt Mia schwach.</em><br />
<em>»Tief in deinem Herzen bist du der Meinung, dass der Umgang mit anderen Menschen Zeitverschwen­dung ist. Mit wenigen Ausnahmen, von denen die eine Hälfte tot und die andere dein Todfeind ist. Das reicht fürs Außenseitertum.«</em><br />
<em>Während die äußere Mia störrisch tut, als verstünde sie nicht, worauf die ideale Geliebte hinauswill, ist die innere Mia mit der traurigen Aufgabe beschäftigt, ihr in allen Punkten recht zu geben. Natürlich weiß Mia, worum es geht. Die METHODE gründet sich auf die Ge­sundheit ihrer Bürger und betrachtet Gesundheit als Normalität. Aber was ist normal? Einerseits alles, was der Fall ist, das Gegebene, Alltägliche. Andererseits aber bedeutet »normal« etwas Normatives, also das Ge­wünschte. Auf diese Weise wird Normalität zu einem zweischneidigen Schwert. Man kann den Menschen am Gegebenen messen und zu dem Ergebnis kommen, er sei normal, gesund und folglich gut. Oder man erhebt das Gewünschte zum Maßstab und stellt fest, dass der Betreffende gescheitert sei. Ganz nach Belieben. So­lange man dazugehört, dient dieses Schwert der Vertei­digung. Befindet man sich draußen, stellt es eine schreckliche Bedrohung dar. Es macht krank.</em></p>
<p style="text-align:left;">Mia spricht nicht Romansprache. Sie eignet sich auch nicht zur Hauptfigur, Heldin, Märtyrerin. Wer so argumentiert, ist nicht gefährlich, weil nicht massenwirksam. Deshalb muss Zeh Mia aufbauen, muss sie zur Rächerin des toten Bruders werden lassen. Weshalb Zeh nicht gleich Moritz zum Protagonisten macht, weiß ich nicht, logischer wär’s gewesen, denn Mia ist eine zu schwache Antipodin der METHODE. Vielleicht will Zeh zeigen, dass auch die Angepassten in die Maschen der METHODE geraten können? Vielleicht liegt ihr eine weibliche Hauptfigur mehr, gibt mehr für die ausgewiesene Geschwisterliebe her? „Jung, attraktiv“, verspricht der Klappentext.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Mias Manifest:</em><br />
<em>Ich entziehe einer Gesellschaft das Vertrauen, die aus Menschen besteht und trotzdem auf der Angst vor dem Menschlichen gründet. Ich entziehe einer Zivilisation das Vertrauen, die den Geist an den Körper verraten hat. Ich entziehe einem Körper das Vertrauen, der nicht mein eigenes Fleisch und Blut, sondern eine kollektive Vision vom Normalkörper darstellen soll. Ich entziehe einer Normalität das Vertrauen, die sich selbst als Gesundheit definiert. Ich entziehe einer Gesundheit das Vertrauen, die sich selbst als Normalität definiert. Ich entziehe einem Herrschaftssystem das Vertrauen, das sich auf Zirkelschlüsse stützt. Ich entziehe einer Sicherheit das Vertrauen, die eine letztmögliche Antwort sein will, ohne zu verraten, wie die Frage lautet. Ich entziehe einer Philosophie das Vertrauen, die vorgibt, dass die Auseinandersetzung mit existentiellen Problemen beendet sei. Ich entziehe einer Moral das Vertrauen, die zu faul ist, sich dem Paradoxon von Gut und Böse zu stellen und sich lieber an »funktioniert« oder »funktioniert nicht« hält. Ich entziehe einem Recht das Vertrauen, das seine Erfolge einer vollständigen Kontrolle des Bürgers verdankt. Ich entziehe einem Volk das Vertrauen, das glaubt, totale Durchleuchtung schade nur dem, der etwas zu verbergen hat. Ich entziehe einer METHODE das Vertrauen, die lieber der DNA eines Men­schen als seinen Worten glaubt. Ich entziehe dem allge­meinen Wohl das Vertrauen, weil es Selbstbestimmtheit als untragbaren Kostenfaktor sieht. Ich entziehe dem persönlichen Wohl das Vertrauen, solange es nichts weiter als eine Variation auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ist. Ich entziehe einer Politik das Vertrauen, die ihre Popularität allein auf das Versprechen eines risiko­freien Lebens stützt. Ich entziehe einer Wissenschaft das Vertrauen, die behauptet, dass es keinen freien Wil­len gebe. Ich entziehe einer Liebe das Vertrauen, die sich für das Produkt eines immunologischen Optimie­rungsvorgangs hält. Ich entziehe Eltern das Vertrauen, die ein Baumhaus »Verletzungsgefahr« und ein Haus­tier »Ansteckungsrisiko« nennen. Ich entziehe einem Staat das Vertrauen, der besser weiß, was gut für mich ist, als ich selbst. Ich entziehe jenem Idioten das Ver­trauen, der das Schild am Eingang unserer Welt abmon­tiert hat, auf dem stand: »Vorsicht! Leben kann zum Tode führen.«</em><br />
<em>Ich entziehe mir das Vertrauen, weil mein Bruder sterben musste, bevor ich verstand, was es bedeutet zu leben.</em></p>
<p style="text-align:left;">Das ist zu lang. Zu intellektuell. Zu sehr Elfriede Jelinek. Der Roman kann sich nicht auf sein Konstrukt verlassen. Zeh nennt ihn denn auch “Ein Prozess”. Sie hat dafür ein Bühnenstück umgearbeitet. “Corpus Delicti” ist ein Diskurs über die Freiheit des Individuums, die Freiheit, sich dem Staat zu entziehen. Zu sehr gelehrter und belehrender Diskurs, zu wenig Erzählung. Mias Anwalt schafft es im Prozess zu beweisen, dass Bruder Moritz nicht der Vergewaltigungstäter gewesen sein muss. Moritz hat als Junge eine Knochenmarkspende erhalten.</p>
<p style="padding-left:30px;">Die Beweiskette des Anwalts:<br />
<em>»Nach der Transplantation besitzt der Leukämiekranke die Blutgruppe seines Spenders!« Rosentreter prescht voran wie ein Flüchtender, der nur noch eine Möglichkeit sieht, vor der Flinte des Heckenschützen ins Ziel zu kommen: Geschwindigkeit. »Er übernimmt auch das Immunsystem seines Spenders. Und er übernimmt &#8230;«<br />
</em><em>»Rosentreter! «, ruft Kramer.<br />
</em><em>»Die DNA! «</em></p>
<p style="text-align:left;">Auch wenn das richtig wäre, als Argument gegen die METHODE ist es schwach, weil zu selten, zu gesucht, gültig für Einzelfälle. Weshalb nutzt Zeh nicht offensichtliche Defizite einer Gesundheitsdiktatur? Die Erkenntnisse darüber, was – etwa beim Essen – ungesund ist, sind oft nur vermeintliche: Es fehlen die Daten oder sind falsch interpretiert oder berechnet, es wurde – von wem und zu welchem Zweck auch immer – manipuliert oder noch einfacher: Das Ungesunde ist das Gesunde. Die Keime etwa, die der Körper braucht, um sich an ihnen abzuarbeiten und zu stärken. Oder der Alkohol, der – in Maßen genossen – die Südländer länger leben lässt, nicht ungesättigte Öle. Ein totalitärer Staat kann natürlich willkürlich verordnen, aber irgendein Ziel im Sinne der Sache wird er damit nicht erreichen. Totalitär meint hier das Konglomerat von Wirtschaft, Politik, Medien und Selbstverstümmelung des grundverängstigten Volkes. Kramer über den “Wutbürger”: &#8222;<em>Gibt man dem Freiheitskämpfer Macht und Einfluss innerhalb der verhassten Maschinerie, wird er sogleich still und werkelt fortan in aller Treuherzigkeit vor sich hin</em>.“ <em>„Das Mittelalter”, sagt Mia Holl, „ist keine Epoche, sondern der Name der menschlichen Natur.”</em> Im „<em>Wächterhaus</em>“ kommen Staat und Volk zusammen. Das passt.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Gesundheit führt über die Vollendung des Einzelnen zur Vollkommenheit des gesellschaftlichen Zusammenseins. Gesundheit ist das Ziel des natürli­chen Lebenswillens und deshalb natürliches Ziel von Gesellschaft, Recht und Politik. Ein Mensch, der nichtnach Gesundheit strebt, wird nicht krank, sondern ist es schon.<br />
</em> <em>(Aus dem Vorwort zu: Heinrich Kramer, »Gesund­heit als Prinzip staatlicher Legitimation«, Berlin, Mün­chen, Stuttgart, 25. Auflage)</em> (Anm. fiktiv! &#8211; Aber: Es gibt einen Heinrich Kramer: einen Dominikanermönch des 15. Jahrhunderts, Autor des berüchtigten &#8222;Hexenhammers&#8220;, in dem minuziös dargelegt wird, woran man Hexen erkennen kann.)</p>
<p style="text-align:left;">Realitätsnäher scheint die Frage, ob z.B. Versicherungen für Betreiber von “Risikosportarten” oder von Fettleibigen höhere Prämien einfordern dürfen. Aber auch hier sind die Prämissen zu uneindeutig. Juli Zeh beschäftigt sich damit ganz am Rande. Und sie beschäftigt sich auch nicht mit dem kommerziellen Aspekt: der Macht der ökonomischen Werbung, die gezielt auf eine Ausformung des Körpers abzielt. Interessant bleibt natürlich Zehs Blick auf die einseitige Orientierung an körperlicher Fitness, den “Verrat des Geistes an den Körper”. (Hat das auch was mit dem Alltag zu tun, wo man eher körperliche Defizite eingesteht als geistige?)</p>
<p style="text-align:left;">Juli Zeh setzt sich für Freiheit ein, wenn’s sein soll, auch rauchend ins Fernsehen. Sie plädiert „für ein Menschenbild, das den Menschen nicht grundsätzlich als potenzielle Gefahr für sich und andere betrachtet“. Das ist lobenswert, der Roman schiebt dieses Thema aber ins Abseits. Zeh vergisst  das über das verhobene Sprachgeplänkel immer wieder. Der Prozess wird zum Selbstzweck.</p>
<p style="text-align:left;">Juli Zeh redet und schreibt an gegen den teil-rigiden Sozialisierungs-Staat und schreibt sich dabei in eine Nähe von anderen konservativlibertären Predigern wie Thea Dorn oder Peter Sloterdijk. Mias letzter Wille, wie sollte es anders sein, ist der nach einer Zigarette.</p>
<p style="text-align:left;">2009       264 Seiten </p>
<p style="text-align:center;"> <a href="http://www.juli-zeh.de/corpus.php" target="_blank">Juli Zeh: “Corpus Delicti – eine Schallnovelle”</a></p>
<table width="70%" border="0" cellspacing="0">
<tbody>
<tr>
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<p><div id="attachment_315" class="wp-caption alignright" style="width: 26px"><img class="size-full wp-image-315" title="" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2009/12/wms.gif?w=420" alt=""   /><p class="wp-caption-text">3</p></div></td>
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		<title>Jacobson</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 17:06:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Ich habe gelesen ...]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Howard Jacobson: Die Finkler-Frage Wenn Finkler von ihren Versammlungen nach Hause kam, fühlte er sich jedenfalls stets wie damals, als er seinen Vater in die Synagoge begleitet hatte &#8211; die Welt war ihm zu jüdisch, zu alt, zu gemeinschaftlich in einem anthropologischen, fast urzeitlichen Sinne, zu weit fort, zu tief unten, zu lang vergangen. Er [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1782&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Howard Jacobson: Die Finkler-Frage</span></h2>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"><em>Wenn Finkler von ihren Versammlungen nach Hause kam, fühlte er sich jedenfalls stets wie damals, als er seinen Vater in die Synagoge begleitet hatte &#8211; die Welt war ihm zu jüdisch, zu alt, zu gemeinschaftlich in einem anthropologischen, fast urzeitlichen Sinne, zu weit fort, zu tief unten, zu lang vergangen.</em><br />
<em>Er war ein Denker, der nicht wusste, was er dachte, nur dass er geliebt hatte, gescheitert war und jetzt seine Frau vermisste und dass er dem nicht entkam, was er am Judentum so erdrü­ckend fand, wenn er sich einer jüdischen Gruppe anschloss, die sich traf, um fieberhaft über das Erdrückende am Judentum zu debattieren. Fieberhaft über das Judentum zu reden, das gerade war ja so jüdisch.</em></p>
<p style="text-align:left;">Und da kommt man nicht raus. Je weiter man in ein Problem hineindenkt, desto auswegloser werden die Aporien. Man kann sie auch nicht aufheben, wenn man das Gegenteil erwägt, denn die Wahrheit liegt in der Spitzfindigkeit. Die Wahrheit ist immer ihr Gegenteil, der Wunsch, nicht so zu sein, wie man ist, aber auch nicht anders, denn dann wäre man ja wieder festgelegt. Es gibt hinter jeder Ecke noch eine Ecke mehr, um die gedacht werden kann.</p>
<p style="text-align:left;">Drei Freunde begleiten sich durch ihr Leben, stützen sich, auch in ihrer Gegensätzlichkeit. Libor Sevcik und Samuel Finkler sind Juden, Libor alt, Finkler so um die Fünfzig. Beide haben sie ihre Frau verloren. Sie sind laizistische Juden, eigentlich Juden wider Willen, also typische Juden. Sie gründen sogar den Verein “<em>ASCHandjiddn</em>”, von der “<em>schand</em>”, “ASHamed Jews&#8220; im Englischen. Treslove, der Goi, wird auch bald 50, hatte Frauen, die mit ihm nicht auskamen, sein Wunsch geht in Erfüllung, als er urplötzlich überfallen wird. Von einer Frau. Und die sagt ihm, so hört er es jedenfalls, so legt er es aus: Du Jud! Es könnte auch anders gelautet haben. Treslove zieht seine Konsequenz: Er will Jude werden, jüdisch – ein Finkler. Dann hätter er, der von “Beruf” Doppelgänger ist, als look-alike mietbar, wenigstens eine Identität und wär nicht länger ein <em>gornischt</em>. Ob er weiter <em>a mamser</em> bleibt oder zu einem wird, ist nicht ausgemacht. Er findet in Hephzibah die passende Frau. Hephzibah ist Jüdin, aber nicht so jüdisch, wie Treslove werden will. Das ist die Befriedung und damit ein neues Problem. &#8222;<em>Richtige Juden mussten leiden für ihr Leid, doch dieser Julian Treslove meinte, er könne aufs Karussell hüpfen, wann immer ihm danach war, und dürfe sich auf Anhieb schlecht fühlen</em>.&#8220;</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"><em>Sie hätte nicht sagen können, ob er ein Kind von ihr wollte. Im Verlauf eines seiner unzähligen Gespräche über Beschneidung hatte er das Thema zur Sprache gebracht &#8211; war er schön genug für sie, war er ihr zu viel, war er zu sensibel, was würden sie tun, wenn sie einen Sohn bekämen, würde er für ihn ein Vater oder eher wie Moses sein? Aber alles hatte ziemlich hypothetisch geklungen und sich mehr um Treslove als um ein Kind gedreht. Sie selbst dachte nicht an Kinder. »Damit hat es keine Eile«, sagte sie stets, was eine nette Umschreibung war für: kein Interesse. Doch hielt er es für ein Scheitern? Seiner eigenen Aussage zufolge war er der schlechteste Vater der Welt. Er hatte ihr das wieder und wieder in einem Ton gesagt, der in ihr die Frage aufkommen ließ, ob er nicht doch beweisen wollte, dass er es besser konnte.</em><br />
<em>Sie fragte ihn.</em><br />
<em>»Was? Es mal als jüdischer Vater versuchen? Ich glaube nicht. Es sei denn, du willst &#8230; «</em><br />
<em>»Nein, nein, gar nicht. Ich habe dabei nur an dich &#8230;«</em><br />
<em>Was sein Faible fürs Jüdische insgesamt anging, fand sie dies anfangs amüsant, machte sich deshalb jetzt aber Sorgen. Wollte er das Jüdische wie die Schwermut aus ihr heraussaugen? Sie fürchtete, er könnte beides miteinander verwechseln.</em><br />
<em>»Juden können auch fröhlich und gesellig sein, weißt du«, sagte sie.</em><br />
<em>»Wie könnte ich das vergessen, wo wir uns doch bei einem Essen an Pessach kennengelernt haben.«</em><br />
<em>»Diese Art fröhlicher Geselligkeit, bei der wir gemeinsam unserer Zeit als Sklaven in Ägypten gedenken, habe ich eigent­lich weniger gemeint. Vielleicht habe ich mich falsch ausge­drückt. Ich will damit sagen, Juden können auch richtig ausge­lassen, derb und vulgär sein.«</em><br />
<em>Noch während sie redete, fiel ihr auf, wie fremd ihr all das geworden war, seit sie sich kennengelernt hatten. Er engte sie ein. Er wollte eine bestimmte Art Frau in ihr sehen, und sie wollte ihn nicht enttäuschen. Dabei gab es manchen Abend, da hätte sie sich lieber vor den Flimmerkasten gehockt und eine Schmonzette geglotzt, als mit ihm über Beschneidung und Moses Maimonides zu reden. Sie fand es anstrengend, die Vertreterin ihres Volkes für einen Mann zu sein, der beschlossen hatte, dieses Volk zu verklä­ren, wollte sie doch ebenso wenig ihn enttäuschen wie das Juden­tum selbst und dessen gesamte fünftausendjährige Geschichte.</em><br />
<em>»Gut, seien wir fröhlich, machen wir was Ausgelassenes«, sagte er. »Ein Stück die Straße hinunter spielt im jüdischen Kul­turzentrum eine kleine </em><br />
<em>Klezmerband zu einem jüdischen Tanz­abend auf. Wollen wir da hin?«</em><br />
<em>»Ich glaube, da hätte ich doch lieber ein Kind von dir«, sagte sie. »Ehrlich?«</em><br />
<em>»Nein, nur ein Witz.«</em><br />
<em>Sie meinte, es in seinem Kopf rattern zu hören. Eine Frau sagt, sie will ein Kind von dir. Wieso ist das in jüdischen Ohren ein Witz?</em><br />
<em>Und dann war da noch das Problem, dass sie ihn nicht beun­ruhigen wollte. Die Schinkenspeckvandalen hatten wieder zuge­schlagen. Diesmal wurde »Tod allen Jüdischen« an die Mauern gepinselt. »Jüdischen« war muslimisches Hassgerede. Immer häufiger hörte man von kleinen Kindern an gemischten Schu­len, die als »Jüdische« beschimpft wurden. Hephzibah fand diese Entwicklung viel bedrohlicher als die Hakenkreuze, mit denen der weiße Pöbel jüdische Friedhöfe schändete. Hakenkreuze wirk­ten irgendwie kraftlos, halbherzig, waren eher eine Erinnerung an Hass als Hass selbst. »Jüdische!« dagegen &#8211; für sie hatte das Wort einen schrecklichen Klang. »Jüdische« waren etwas Wider­liches. Ihr Glaube machte sie gemein und bösartig. Trat man auf sie, quoll »Jüdisches« heraus. Diese Beleidigung ging viel tiefer als »Jidd« oder »Itzig«. Sie richtete sich nicht gegen individuelle Juden, sondern gegen das, was das Jüdische im Kern ausmachte. Außerdem stammte sie aus einem Teil der Welt, in dem der Kon­flikt bereits in Blut badete und der Hass bitter, wenn nicht gar unauslöschlich war. </em></p>
<p style="text-align:left;">Howard Jacobson behandelt alle einschlägig relevanten Themen. Antisemitismus, Antizionismus, Antiisraelismus, Gaza-Streifen, Moses Maimonides, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brit_Mila" target="_blank">Brit Mila</a>, Frauen und Männlichkeit, Anschläge und Selbsthass und liefert damit eine umfassende Selbstbeschreibung dessen, was nicht zu fassen ist: des Jüdischen. Die Spitzfindigkeiten werden zelebriert, voller Ironie, mit heiterem Ernst. Zu  trauen ist natürlich keinem. Das Klischee entlarvt das Vorurteil, und davon hat natürlich auch der Leser viele. Nicht nur in England.</p>
<p style="text-align:left;">“Die witzigste jüdische Versuchung seit Philip Roth.” (Felicitas von Lovenberg, FAZ)</p>
<p style="text-align:left;">2010       436 Seiten              Booker-Prize 2010</p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Finkler-Frage-Roman/Howard-Jacobson/e353066.rhd?mid=4&amp;exc=297688&amp;showpdf=true#tabbox" target="_blank">Leseprobe bei DVA</a> (pdf)</p>
<p style="text-align:left;"> </p>
<table width="70%" border="0" cellspacing="0">
<tbody>
<tr>
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<p><div id="attachment_315" class="wp-caption alignright" style="width: 26px"><img class="size-full wp-image-315" title="" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2009/12/wms.gif?w=420" alt=""   /><p class="wp-caption-text">2</p></div></td>
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</tbody>
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		<title>Kelman</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 09:17:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Stephen Kelman: Pigeon English Harri Opoku ist mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Ghana nach England gekommen und so wird er von seinen Straßenkumpels auch „Ghana“ gerufen. Dass er schwarz ist, wird nicht weiter thematisiert, denn das Hochhausviertel, in dem er lebt, ist Stigma genug. Der Handlungsraum des Elfjährigen ist rigide begrenzt und bei [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1770&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Stephen Kelman: Pigeon English</span></h2>
<p style="text-align:left;">Harri Opoku ist mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Ghana nach England gekommen und so wird er von seinen Straßenkumpels auch „Ghana“ gerufen. Dass er schwarz ist, wird nicht weiter thematisiert, denn das Hochhausviertel, in dem er lebt, ist Stigma genug. Der Handlungsraum des Elfjährigen ist rigide begrenzt und bei seinen Kumpels weiß man nicht, ob es Freunde oder Feinde sind. In acht nehmen muss man sich vor allen, denn die Seilschaften können schnell wechseln.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Du siehst nicht, wo die Grenzlinien verlaufen, aber du weißt, dass sie da sind. Du musst sie einfach im Kopf mit dir rumtragen. Der Tunnel hinter dem Einkaufszentrum ist so eine Grenze. Wenn du sie überschreitest, bist du dran. Ich geh gar nicht erst in diesen Tunnel rein. Der ist mir unheimlich. Es ist immer dunkel da drin, selbst wenn die Sonne scheint, und das Wasser in den Pfützen ist voll fies und vergiftet.</em><br />
<em>Die Straße an meiner Schule vorbei ist die nächste Gren­ze. Dahinter ist Sperrgebiet. Näher als bis zur Bushaltestelle am Hügel bin ich noch nie gewesen. Weiter hab ich mich nicht getraut.</em><br />
<em>Die nächste Grenze ist die Straße am Ende vom Fluss. McDonald&#8217;s liegt auf der anderen Seite. Ich bin noch nie drüben gewesen, außer mit Mamma im Bus. Wenn man dort alleine hingeht, ist man auch dran. Die Straße gehört der Lewsey Hill Crew.</em><br />
<em>Die letzte Grenze ist die Eisenbahnlinie. Die ist ganz schön weit weg, hinter dem Fluss. So weit war ich noch nie. An der Eisenbahnlinie tragen sie die Kriege aus. Das ist das Schlachtfeld. Zwischen der Dell Farm Crew und der Lewsey Hill Crew hat sich da mal eine mörderische Schlägerei abge­spielt. Gut tausend Leute. Alle mit Messern, Baseballschlä­gern oder Schwertern. Einige sind gestorben. Aber das war früher, lange bevor ich hergezogen bin.</em><br />
<em>Jordan: »Sie haben denen Arme und Beine und alles abgeschlagen. Das war echt krank. Die sind immer noch da. Man kann die Arme und Beine noch von den Bäumen bau­meln sehen. Sie haben sie zur Abschreckung hängen lassen. «</em><br />
<em>Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich weiß ja nicht mal den Weg zu den Gleisen.</em><br />
<em>Die Grenzlinien bilden ein Viereck. Nur wenn du im Viereck bleibst, bist du sicher. Es ist unser Zuhause. Zu Hause können sie dich nicht umbringen. Das Beste an Zu­hause sind die vielen Verstecke.</em></p>
<p style="text-align:left;">Nur Dean scheint ein echter Freund zu bleiben und mit ihm erklärt sich Harri zu detectives, denn ein Junge ist ermordet worden. Die Polizei tappt im Dunkeln, falls sie denn überhaupt tätig wird. Harri und Dean besitzen ein Plastikfernglas, basteln sich ein Klebeband zur Abnahme von Fingerabdrücken, denken sich naive Fangfragen aus, träumen vom Leben und Überleben.</p>
<p style="text-align:left;">Stephen Kelman schildert alles aus der Perspektive, mit den Gedanken und Worten des Elfjährigen. So etwas geht oft schief und wird zur Kleiner-Nick-Verballhornung, Kelman aber taucht überzeugend ein in die Fantasiewelt, in die Ängste und Strategien des Kindes, auch die Gespräche sind glaubhaft, kindlich in den Assoziationen, derb in den Worten, denn derb ist die Realität, nur Nachahmung verleiht credibility. Harri malt sich sogar Streifen auf seine Billigsneakers, damit sie wie Adidas aussehen. Der Schnellste seiner Klasse ist er sowieso. Das zählt und ist wichtig beim Davonrennen.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Killa trat gegen den Eierkarton, und sämtliche Eier flogen durch die Luft. Ich sah Angst und rote Augen auf Mr Frimpongs Gesicht. Ich stellte mir vor, seine Gedanken zu lesen: Er dachte, wo ist Gott, wenn du ihn brauchst? Denn das dachte ich auch. Er versuchte die Jungs zu ver­scheuchen, aber seine Arme waren zu kurz. Er versuchte aufzustehen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Es war zu schrecklich. Dann kam X-Fire. Er hatte seinen Schal vorm Gesicht. Er durchwühlte Mr Frimpongs Taschen und fand sein Portemonnaie. Verrückt, das hattest du noch nie gesehen. Er fragte nicht mal.</em><br />
<em>X-Fire: »Lass los, du alter Sack, oder ich stech dich ab.«</em><br />
<em>Mir war zum Kotzen. Ich drehte mich um und rannte, so schnell ich konnte. Ich guckte nicht mehr zurück, ich wollte nur noch weg.</em><br />
<em>Damit hatte ich meine letzte Chance vergeben. Wenn du bei zwei Einsätzen versagst, kannst du es vergessen, je rein­zukommen. Ich hätte einfach nur bis zum Ende dableiben müssen. Aber ich hatte ja nicht gewusst, dass das Ende so -</em><br />
<em>X-Fire: »Wo willst du hin, du F-er?«</em><br />
<em>Ich stellte mich taub. Ich rannte einfach. Ich rannte am Spielplatz vorbei, am Park und den ganzen Häusern, und blieb erst am Tunnel wieder stehen. Mir war der Atem ausgegangen. Mein Bauch fühlte sich nach Messern an. Ich berührte in der Tasche meinen Alligatorzahn, er war noch da. Ich weiß nicht, warum es mit der Kraft nicht geklappt hat.</em><br />
<em>Ich wünschte, ich wäre größer.</em> </p>
<p style="text-align:left;">Und dann gibt es die poetischen Momente, wenn Harri mal allein sein kann und mit seiner Taube spricht. Die Taube, die ihn versteht, denn auch sie muss sich das Überleben erkämpfen, darf sich nicht auf falschen Plätzen aufhalten. Die Taube muss auch nicht cool sein wie die Menschen, man kann sich vorstellen, ihr Beschützer zu sein.</p>
<p style="text-align:left;padding-left:30px;"> <em>Ich: »Du bist gekommen. Ich wusste es.«</em><br />
<em>Taube: »Keine Angst, bald bist du zu Haus. Wenn es Zeit ist, zu gehen, zeige ich dir den Weg.«</em><br />
<em>Ich: »Kann ich nicht hierbleiben?«</em><br />
<em>Taube: »Das liegt nicht in meinem Ermessen. Du bist heimgerufen worden.«</em><br />
<em>Ich: »Es tut weh. Arbeitest du für Gott?«</em><br />
<em>Taube: »Es tut mir leid, wenn es wehtut. Aber es wird nicht mehr lange dauern.«</em><br />
<em>Ich: »Ich mag deine Füße. Die sind hübsch und so krat­zig. Mir gefallen alle deine Farben.«</em><br />
<em>Taube: »Danke sehr. Ich mag dich auch, ich mochte dich schon immer. Es gibt nichts, wovor du Angst haben musst.</em> «</p>
<p style="text-align:left;">„<em>Ichschwör</em>!“ Ein hartes Buch über Menschen in harten Zeiten. Die Flucht von Afrika ist eine Flucht in neues Elend. (2011 Booker Shortlist) </p>
<p style="text-align:left;">2011        300 Seiten</p>
<table width="70%" border="0" cellspacing="0">
<tbody>
<tr>
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<p><div id="attachment_315" class="wp-caption alignright" style="width: 26px"><img class="size-full wp-image-315" title="" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2009/12/wms.gif?w=420" alt=""   /><p class="wp-caption-text">2-</p></div></td>
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<td width="17%"> </td>
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</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align:left;">Auch Hisham Matar lässt in seinem Roman <a href="/2011/04/01/matar/">„Im Land der Männer“</a> ein Jungen erzählen, wie die Realität nicht erlaubt, Kind sein zu dürfen.</p>
<p style="text-align:left;">In Michael Frayns „Das Spionagespiel“ ist Stephen mit der Einordnung der Rolle seiner Familie im Krieg gegen Deutschland überfordert. Er legt sich eine Traumwelt zurecht, die zwischen Geheimnissen und Seifenblasen schillert. </p>
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		<title>Der Gott des Gemetzels</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 18:43:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vomhoellenhund</dc:creator>
				<category><![CDATA[- Film]]></category>

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		<description><![CDATA[Roman Polanski: Der Gott des Gemetzels - nach dem Theaterstück von Yasmina Reza Ganz versteh’ ich ja nicht, wieso „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza zum so erfolgreichen Theaterstück geworden ist. Dass sich ein paar „erwachsene“ Menschen in einem Zimmer in die Haare geraten und dabei ihre Innereien herauskotzen, ist nicht neu, auch nicht, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=vomhoellenhund.wordpress.com&amp;blog=9416520&amp;post=1761&amp;subd=vomhoellenhund&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align:center;"><span style="color:#ff0000;">Roman Polanski: Der Gott des Gemetzels</span><br />
<span style="color:#ff0000;">- nach dem Theaterstück von Yasmina Reza</span></h2>
<p>Ganz versteh’ ich ja nicht, wieso „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza<img class="alignright" src="http://vomhoellenhund.files.wordpress.com/2011/12/gemetzel.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /> zum so erfolgreichen Theaterstück geworden ist. Dass sich ein paar „erwachsene“ Menschen in einem Zimmer in die Haare geraten und dabei ihre Innereien herauskotzen, ist nicht neu, auch nicht, wenn der Anlass dafür die Kinder sind. Auch im Kino lachen die Leute, vor allem die in den hinteren dunkleren Reihen. Aber worüber eigentlich? Der Film ist so unlustig wie das Stück. Die Lacher sind billig, etwa wenn Kate über die Kunstbände kotzt, das Handy im Blumenwasser landet oder wenn der anfangsnette Michael den Familienhamster auf der Straße aussetzt. Auch der running gag mit dem dauertelefonierenden Alan erschöpft sich schnell. Subtiler fand ich, dass sich Michael und Nancy nicht Darling nennen, sondern „Darjeeling“, weil sie ihre Flitterwochen in Indien verbrachten. Da stimmt zumindest der Widerspruch im Familienglück. Haha.</p>
<p>Die Personen werden nah ins Bild gerückt, was die Bühne so nicht kann. Man kennt die – meisten – Schauspieler und freut sich über das Wiedersehn. Der Ekel der Gefühle wird gesteigert, dennoch hält der Film nur 80 Minuten durch. Und auch das nur, weil Nancy und Alan den Absprung nicht schaffen, obwohl sie schon im Lift stehen. Nicht sehr überzeugend. Natürlich gibt es dramaturgisch gesteigerte Spannung: bröckelnde Masken, aufflackernde Allianzen, eruptive Abstürze. Daneben aber auch viel mäandernder Leerlauf.</p>
<p>Weshalb wirkt die verspannte Alkoholikerin Penelope so unsympathisch, obwohl sie doch als einzige Werte durchhält? Deshalb? Oder kann Jodie Foster einfach nicht lachen? Weshalb kommt das Ekel Michael (John C. Reilly) am sympathischsten an, trotz Hamsterallergie? Weil er in seinem bodenlosen Pragmatismus zumindest authentisch wirkt, ehrlich? Christoph Waltz muss als Geschäftsmacher glatt und zynisch sein und ist es auch. Kate Winslet hat ein exaltiertes „Oh mein Gott!“, gut aus dem Amerikanischen übersetzt. Die Kinder, um die es geht, kommen im Theater nicht vor und zu Wort, im Film sieht man sie im Vorspann streiten und im Abspann vertragen sie sich schon wieder. Das Gekeife der Eltern entlarvt sich damit doppelt als überflüssig. Hätte man das ohne diese Szenen nicht verstanden? – Ach so: Das ist die Aussage des Theaters. Und das ganze Theater als Parabel?</p>
<p><span style="color:#000000;">Eigentlich überflüssig, abgenutzt, leidlich unterhaltsam.</span></p>
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